Infos zu den Igeln

Haltung

 

Unsere Igel









 
 
Der Afrikanische Weißbauchigel ist durchaus als Heimtier geeignet, allerdings sollte man vor seiner Anschaffung viele Punkte bedenken und sich genau überlegen, ob man den Anforderungen die so ein Igelchen an seinen Halter stellt, auch gerecht werden kann.

 

Grundsätzlich sollte man seine Tiere wie Kleinkinder betrachten. Sie benötigen die gleiche Aufmerksamkeit wie ein eigenes Kind. Sie machen Unsinn und verletzen sich dabei. Umgangssprachlich könnte man sagen „sie haben nur bunte Knete / Murmeln im Kopf“, sie schreien bei jeder Krankheit als erster hier und sagen einem nicht was störend ist, weh tut oder anders sein sollte. Dies erschwert dem Halter vieles, auch die Erkennung von eventuell auftretenden Erkrankungen. Ohne das ständige beobachten sind die kleinen nahezu ungeschützt, vor allem bei dem, was ihnen schaden könnte. Das genaue informieren über die gehaltene Tierart ist unabdingbar, dabei geht es nicht nur um die Belange des vorhandenen Tieres, vielmehr ist die Art / Rasse gemeint welche man hält. Dadurch erhält man weitere nützliche Informationen welche es den Tieren erleichtern mit der Gefangenschaft umzugehen, vorausgesetzt man setzt einige mögliche Sachen auch in die Tat um.

 

Viele Fragen erreichen uns über die Haltung, eine der häufigsten hierbei ist:

„Kann man die Tiere vergesellschaften?“

Grundsätzlich gibt es auf diese Frage zwei mögliche Antworten.

Die wohl am ehesten richtige Antwort ist „NEIN“.

Insektenfressende Säugetiere sind bis auf wenige Ausnahmen Einzelgänger. Gleich wie gut es bei anderen mit der Paarhaltung funktioniert, ist dies aber nicht die Regel. Es kann möglich sein kleinere Gruppen zusammen zu halten, wie die Tiere sich aber untereinander verstehen werden wir nie erfahren. Es ist gut möglich, dass diese sich akzeptieren / tolerieren, ob sie dadurch glücklicher sind kann man nicht beantworten. Sollten Sie eine kleine Gruppe haben, bei welche das Miteinander passt, müssen Sie dafür Sorge tragen das jedes der im Terrarium lebenden Tiere einen separaten Unterschlupf zur Verfügung hat. Auch wenn sich die Tiere augenscheinlich verstehen, kann es vorkommen, dass sie sich auch zeitweilig meiden wollen. Das ist nicht anders
wie bei uns Menschen. Dabei ist zu beachten das: Mehr Tiere = mehr Unterschlupf = mehr Hindernisse = größere Grundfläche benötigt. Hierbei können sich Etagen anbieten dort muss aber sehr viel bedacht werden, dazu später. Einem Einzeltier welches (angenommen) auf 2 qm lebt, dem ein gleichgeschlechtlicher Partner zugesetzt wird, jenen muss nicht zwingend auch gleich die Lauffläche verdoppelt werden. Aber all zu oft wird ein Terrarium überbesetzt ohne die benötigte Fläche zu bedenken und zu korrigieren.

Wichtig ist, wenn Gruppenhaltung, dann ausschließlich gleichgeschlechtlich!

Eine weitere Meinung vieler ist: „Ein Spielkamerad für mein Tier“. Solang es Futterinsekten sind, ist jenes an dieser Stelle richtig. Spielen mit Artgenossen (Nachzuchten / Jungtiere ausgeschlossen) wird es im Bereich Insektenfresser nie geben. Diese Tiere verfolgen einzig und allein ihren Instinkten der Natur:
jagen, fressen, saufen & vermehren – Nicht mehr und nicht weniger.

Kommen wir nun zu ein paar ausgewählten Feinheiten, welche das Leben der Tiere erleichtern und widmen uns zunächst gleich den schon angesprochenen Etagen. Dies wird sehr häufig empfohlen, wenn es darum geht Laufflächen zu schaffen. Gerade bei den Weissbauchigeln kann man sagen, dass diese Möglichkeit gern angenommen wird, auch können sie sehr gut mit Naturkorkaufgängen und Treppen umgehen. Die Tiere benötigen aber als Schutz eine Barriere, welche für sie sicht- und fühlbar ist. Desweiteren ist zu beachten, dass die Fallhöhe nicht zu hoch ist und durch tiefen, weichen Bodengrund die Aufprallenergie absorbiert werden kann. Steine im Fallbereich sind tödlich! Weiterhin ist es nicht ratsam Weidenbrücken als Aufstieg zu nutzen, sie haben im Prinzip generell nichts in einem Terrarium für Weissbauchigel zu suchen, maximal an Stellen wo sie nicht bestiegen werden können als Unterschlupf. Die Abstände der Weidenstücke sind zu groß, die Gefahr des verheddern in den Zwischenräumen ist enorm und die Verletzungen durch das freireißen extrem. Knochenbrüche und abgerissene Krallen sind da noch die geringsten Verletzungen.

 

Eine weitere Frage, welche immer wieder auftaucht und hier sehr passend ist, wäre:

Kann man afrikanische Weissbauchigel an Katzeneistreu in einer Ecktoilette gewöhnen?

Die einzige Antwort hierauf ist „NEIN“, wenn überhaupt, machen sie dies aus freien Stücken. Der Inhalt der Nager-Ecktoilette kann bestehen aus Chinchillasand, Kinderspielzeugsand oder Katzen Sandeinstreu. Bei letzterem ist es wie beim Futter, um so mehr geworben wird umso ungeeigneter ist das Streu. Die Wahl des richtigen Sandeinstreus ist schwierig, aber mit „sich belesen“ realisierbar. Vorfälle mit Katzensandeinstreu und Todesfolge gibt es, sind aber verhältnismäßig sehr gering, zu den anderen möglichen Todesursachen. Zudem ist diese Möglichkeit noch nie pathologisch bestätigt worden. Wie man über Sinn und den Standort entscheidet, ist sehr einfach. Nutzt das Tier zur Abgabe seiner Exkremente immer einen Bereich, kann man dort die Ecktoilette platzieren. Dies spart Zeit beim täglichen reinigen des Terrariums, ganz zu schweigen vom investierten Geld für den Bodengrund welcher in den meisten Fällen deutlich teurer ist.

 

Damit sind wir schon beim nächsten Thema:

Wie wird das Terrarium gereinigt?

Der Bodengrund sollte, besser muss, jeden Tag von Futterresten (Trockenfutter zum Teil ausgeschlossen) und Exkrementen (Urin und Kot) gereinigt werden. Wer dem nicht nachkommt hat mit Geruch, Krankheiten und Parasiten irgendwann mal ein etwas größeres Problem. Der Boden selbst sollte Wasserabweisend und Urinsicher sein. Weiterhin sollte man sich vor der Anschaffung eines Tieres vor Augen halten das man kein Problem darin sieht die Ausscheidungen jenes Tieres mit den Händen zu entfernen! Einer täglichen Komplettreinigung des Bodengrundes kann ich nur abraten. Ein gewisses Maß an Gerüchen und Bakterien im Terrarium darf weder unter noch überschritten werden. Eine zu sterile Haltung des Tieres kann zu Überempfindlichkeit gegenüber von Krankheiten führen, welche dann meist um einiges schlimmer verlaufen als im Normalfall.

 

Ein weiterer Bereich bei der Haltung:

Welche Licht- und Wärmequellen?

Afrikanische Weissbauchigel benötigen dauerhaft höhere Temperaturen als jene die in unseren Breitengraden teilweise herrschen. Tagsüber sollten mindestens 12h lang 23 - 25°C und nachts nicht unter 20°C im Terrarium gewährleistet werden. Dies erreicht man durch Wärmestrahler, z. B. Keramikstrahler oder Rotlicht Leuchtmittel. Die Gefahr, dass sich Bodengrund oder Terrarium durch jene Wärmequellen entzündet ist sehr gering. Heu z. B. entzündet sich ab einer Temperatur von ca. 300°C. Eine Rotlichtglühlampe erreicht Temperaturen von ca. 200°C. Die Gefahr eines „platzen“ dieses Leuchtmittels geht nur von den zurückbleibenden Scherben aus (Schnittverletzungen). Das solch Leuchtmittel platzen können ist richtig, wenn dies währen des Betriebes passiert kühlt das fallende Glas (egal ob komplett als Körper oder in Scherben) innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde so rapide ab, dass ein entzünden des Bodengrundmaterials nahezu unmöglich ist.
Wie gesagt wir reden hier von Heu, welches:
  • a) nichts im Terrarium von Weissbauchigeln verloren hat und
  • b) die niedrigste Entzündungstemperatur aufweist.
Bei Hobelspänen und anderem Einstreu wird weitaus mehr Hitze benötigt um dieses ohne offene Flamme zu entzünden. Keramikstrahler bilden hier eine Ausnahme, jene erreichen meist sehr viel höhere Temperaturen, aber sind im Gegenzug auch robuster. Ein „Platzen“ jener, ist bis heute nicht bestätigt / bekannt. Meist ist höhere Gewalt die Ursache des Abbrechens von der Fassung. Von im ausreichenden Abstand verbauten Keramikstrahlern geht keine Gefahr des Entzündens aus. Ein weitaus größeres Problem ist, unsachgemäßer Verbau von Zuleitungen, deren Anschlüsse und Absicherungen. Kabelbrand ist die häufigste Ursache für entstehendes Feuer!!! Wer sich auf diesem Gebiet nicht auskennt, sollte die Finger davon lassen und einen Fachmann beauftragen!

Tageslichtlampen, Neonlicht und UV Licht (UVA & UVB) ist ungeeignet. Wobei man sagen sollte, dass eine Neonröhre welche im Terrarium verbaut ist das Reinigen enorm erleichtert, da man für die Zeit des Säuberns dadurch Helligkeit in das Terrarium einbringt.

Zeitschaltuhren und Warmesensoren sind hilfreiche Utensilien welche die Temperaturregelung erleichtern. Licht selbst benötigen die dämmerungsaktiven Tiere jedoch nicht.

 

Ein weiteres großes Thema:

Welche Belüftung ist im Terrarium ausreichend?

Weissbauchigel brauchen, wie alle Säugetiere, Sauerstoff. Verunreinigungen durch Kot und Urin erzeugen schädliche Gase. Deswegen ist es wichtig für eine gute Luftzirkulation zu sorgen! Grundsätzlich kann man sagen, dass selbstgebaute Terrarien und Holzterrarien nie „Luftdicht“ sind. Deswegen ist die 1/3 Version wie sie bei Insekten empfohlen wird hier nicht ganz von Nöten. Auch sollte darauf geachtet werden das keine Zugluft im Terrarium vorhanden ist. Durch jene können sich die Igel leicht erkälten. Wichtig ist, dass die Be.- und Entlüftung nicht auf einer Höhe verbaut wird. Die Lüftungen sollten außerhalb der Erreichbarkeit, der Tiere, liegen. Bei Terrarien mit Etagen bieten sich die Etagen selbst an. Die Belüftung unterhalb der untersten Etage und Entlüftung auf der gegenüber liegenden Seite unterhalb des Deckels vom Terrarium. Ausreichende Größe heißt: Bei einer Terrariengröße von 1200x600, ca. 100x400 für Be- und Entlüftung ist das Optimum. Die Größe kann auch variieren je nach Raum und Terrarienbeschaffenheit (Durchzug / Spalten beim Verbau von Holzplatten). Herrscht viel Zugluft im Raum sollte die Fläche verkleinert, bei stehender Luft u. U. vergrößert werden. Grundsätzlich muss immer für ausreichend Frischluft gesorgt werden.

 

Eine weitere Frage welche uns oft ereilt:

Macht es Sinn das Terrarium selbst zu bauen?

Diese Frage kann sich nur jeder selbst beantworten. Zum einen muss man sich überlegen ob man das Knowhow besitz, heimwerkerisch dies bewältigen kann und wo das Terrarium eingebunden werden soll, oder ob es einzeln steht. Soll es zwischen zwei Schränke verbracht werden und das lichte Maß ist kein Standartmaß, gibt es zwei Möglichkeiten. Die genaue Maßanfertigung (Selbstbau / Tischler) oder man lebt mit den sich ergebenden Zwischenräumen. Steht es einzeln im Raum, ist die bequemste und schnellste Lösung ein Fertigterrarium. Ob diese Variante die preiswerteste ist wage ich zu bezweifeln. Zudem kommt das Fertigterrarien meist ohne Schloss nicht ausbruchsicher sind. Die Igel in ihrem Drang nach Bewegung werden alles probieren, ihren zur Verfügung stehenden Raum zu erweitern. Wenn sie bemerken, dass sie mit den Krallen die Scheiben wegschieben können, werden sie dies dauerhaft tun. Einen Vorteil bieten da die Selbstbauten, da dort solche Überlegungen einfließen können und Vorsorge getroffen werden kann, dass die Tiere an die Stoßkante (Glas / Holz) nicht heran kommen. Ein weiterer Vorteil jener ist, Das man durch den Bau einer Verblendung die Optik und das herausfallen von Bodengrund verbessern / vermeiden kann. Zusätzlich sind Eigenbauten variabler in Größe und Form, können sehr genau angepasst werden und nutzen den verfügbaren Platz optimal aus. Sie sind zumeist auch sehr viel preiswerter wie fertige Terrarien im Zoogeschäft. Die Entscheidung obliegt hierbei beim Halter, welche Möglichkeit er nutzt.

 

Die nächste Frage welche sich hierbei stellt ist:

Glas oder Holzterrarium?

Halten wir es ein weiteres mal so, dass wir die Vorteile betrachten. Glasterrarien sind einfacher zu säubern, sie benötigen keinen Wasser und Urinabweisenden Boden, da dieser schon gegeben ist. Holzterrarien hingegen sind flexibler, ohne großen Aufwand stapelbar und zumeist auch preiswerter. Soviel zu den Vorteilen, und wie immer im Leben gibt es hier ein „aber“. Glasterrarien halten die Wärme nicht so gut wie jene aus Holz. Was wiederrum bedeutet, dass man mehr Energie aufbringen muss, um die Temperatur auf Normalwert zu bringen, dies bedeutet zusätzliche Stromkosten. Ein Nachteil von Holzterrarien, bei Betrachtung von eventuell auftretenden Parasitenbefall, ist die Reinigung. Durch die Poren des Holzes sind diese schwer zu bekämpfen. Eine Möglichkeit diesem Abhilfe zu schaffen ist die Versiegelung durch Epoxidharz, was aber sehr kostspielig werden kann. Kinderspielzeuglacke sind da preiswerter und durchaus auch legitim. Zumeist reicht es aber auch, auf ausreichend Hygiene im Terrarium zu achten damit Parasiten sich erst gar nicht ausbreiten. Schnelles Erkennen und die darauf folgende Behandlung ist die wahrscheinlich preiswerteste Variante. Auch hier gilt, wie oben schon beschrieben, ständiges beobachten.

Welche Art von Material für das Terrarium auch immer gewählt wird, entscheidet jeder Halter für sich.

Diese und noch viele weitere Fragen und Antworten findet Ihr in einer Zusammenfassung, zum kostenlosen Download als PDF. Jener Leitfaden wird ständig aktualisiert und erweitert. Er umfasst derzeit die Bereiche Ernährung, Haltung und Krankheit.
Er ist demnächst hier auf der Seite zu finden.